Sonntag, 27. Mai 2018

Stoffspielerei: Japan

Japan ist das Thema der Stoffspielerei im Mai. Da hat mein Kopfkino zuerst ja völlig verrückt gespielt. Was gibt es da nicht alles, Shibori, tolle Kleiderschnitte, Boro, Sashiko ....

Da ich diesen Monat irgendwie nicht so fit war und mal wieder meine Mitte finden musste, habe ich mich herrlich mit sticken und slow sewing beschäftigt, mit Boro- und Sashikotechniken ausgelebt.

Zuerst eine alte aber geliebte Jeans wieder flott bekommen und dann mich an ein neues Teil gewagt. Stoffcollage bestickt. Danach war ich wieder angekommen und regeneriert. Herrlich.

Diese Technik nennt sich Boro. Damit ist "Flicken" gemeint. Hört sich aber viel besser an, finde ich. Ich habe ja von meiner Oma gelernt, dass man flickt, damit man etwas, was leider kaputt ist, weiter tragen kann und man vorerst nichts Neues kaufen muss. Deshalb muss auch das Geflickte so aussehen, als ob es nicht geflickt ist. Früher haben die Frauen da erstaunliche Fertigkeiten entwickelt. Es gab sogar sogenannte Kunststopferinnen.

Auch die Borotechnik ist eine Reparaturtechnik. Sie ist aus größter Not entstanden und war Mittel zum Zweck. Aber andererseits ist sie auch Zeugnis großer Kreativität, die aus dem Mangel entstanden ist.  Dabei wird ein Teil immer wieder repariert, Ficken auf Flicken gelegt und mit Sashikostickerei befestigt. Das wurde früher bei Kleidungsstücken, Futons und Decken angewendet. Es war die Möglichkeit der armen japanischen Bevölkerung zu Kleidung zu kommen, da sie sich keine neuen und teuren Stoffe leisten konnten. Was früher aus der Not gemacht wurde, sieht heute sehr dekorativ aus. So wie bei meiner Jeans.







Hier habe ich auch mal mit der Nähma dazwischen gefunkt. Den Effekt finde ich ausgesprochen schön. Gerade die Kombination machts irgendwie.






Anmerkung: (Für alle die sich jetzt über meine Beinform wundern: Ich hab vergessen mit meiner Tochter Fotos zu machen, als sie da war. Und nun ist sie weg und ich musse alleine zurecht kommen. Da kamen solche verrenkten Fotos zustande, sorry)



Sashiko ist heute eine traditionelle japanische Stickkunst. Mich fasziniert die Ruhe, die von diesen Arbeiten ausgeht. Ursprünglich diente auch sie dazu, beschädigte und rissige Stoffe zu reparieren. Hierfür werden über dem Stoff mehrmals Vorstiche parallel zueinander gearbeitet, sodass der Stoff nicht weiter aufreißen kann. Aus dieser Technik wurde im Laufe der Zeit eine eigenständige Verzierungsform.  Charakteristisch für Sashiko sind neben den Vorstichen die geometrischen Motive, die meist in Wiederholungen aufgestickt werden. Im Original sind die Stickereien ganz klassisch weiß auf blau gefärbten Grund gestickt, oder umgekehrt. Dazu gibt es spezielle Sashiko-Nadeln, Garne und Fingerhüte. Da die Sticktechnik eine andere ist. Auf Youtube kann man sich entsprechende Filme dazu anschauen. Faszinierend.

Hier habe ich mich eingestickt, und meine Handyhülle verziert.



Dann ging es weiter. Grundlage ist ein Leinenstoff mit einem Siebdruckmuster.


Darauf  kommt eine Stoffcollage




anschließend die Garnauswahl


Im Endeffekt habe ich mich doch für Perlgarne in Weiß- und Naturtönen entschieden.

Mangels einer speziellen Sashiko-Nadel....,  diese kommt ihr schon sehr nahe.



Und so sieht der Fingerhut aus. Er kommt auf den Mittelfinger und man schiebt dann den Stoff über die Nadel, die von der Platte weiter gedrückt wird. Wenn man den Dreh raus hat, macht es richtig viel Spaß und man kommt relativ schnell voran.






So weit bin ich gekommen, aber ich werde noch einige Lagen darüber sticken.




Noch mehr zu Japan gibt es heute bei Gabi zu sehen madewithbluemchen.at/stoffspielereien

Liebe Gabi, vielen Dank für das tolle Thema. Es hat wieder so viel Spaß gemacht.

Außerdem verlinkt bei Handgestickt-Linkparty von Gaby

Die Stoffspielereien

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken gesammelt – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Die nächsten Termine:
24.06.2018:  „Rokoko“ bei Nahtzugabe
Juli & August: Sommerpause
30.09.2018: „Streifen“ bei 123-Nadelei
28.10.2018: „Seide“ bei Siebensachen
25.11.2018: (Thema noch nicht fix) bei Nähzimmerplaudereien
Dezember: Weihnachtspause
27.01.2019: (Thema noch nicht fix) bei Textile Werke
24.02.2019: „Farbverläufe“ bei Schnitt für Schnitt
31.03.2019: „Geometrie“ bei Feuerwerk by Kaze

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien findet Ihr bei „Siebensachen zum Selbermachen“. Meine Beiträge zu den Stoffspielereien sind hier versammelt.

Kommentare:

  1. Ein spannendes Experiment hast Du da begonnen! Danke auch, dass Du das Material so ausführlich zeigst, damit habe ich mich noch gar nicht auseinander gesetzt. Das steht aber auch noch auf meiner (langen, langen, langen) Liste, weil ich denke, dass es schon Sinn macht, für eine spezielle Technik auch die dafür entwickelten speziellen Materialien zu verwenden. Oder es zumindest einmal auszuprobieren. Fein, Dass du auch diesmal mitgemacht hast! lg, Gabi

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    1. Ah, und danke, dass Du den Beitrag noch bei der "handgestickt" Linkparty verlinkt hast!

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  2. Du zeigst sehr schöne Arbeiten; die letzte gefällt mir am besten. Danke auch für die Info - eine solche Nadel wäre auch bei den Näharbeiten für Shibori nützlich.
    LG
    Siebensachen

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  3. Cool - da waren wirklich in ähnlichen Gebieten unterwegs und dennoch sieht man gut daran, wie unterschiedlich auch die Wirkung sein kann, abhängig der Stoffe, die man wählt. Das ist einfach genial geworden und danke auch für den Tipp mit der Mittelfingerkappe. Muss ich glatt mal testen! Die Jeans wird nun bestimmt zu deiner neuen/alten Lieblingsjeans!
    LG. Susanne

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  4. Hier ist toll zu sehen wie eine Aktion die andere ergibt- das ist ein toller kreativer Flow!
    Mir gefallen auch die tonigen Stiche der letzten Arbeiten sehr gut, da ist auch eine echte Entwicklung zu sehen. Ich bin gespannt auf das fertige Stück!

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  5. Liebe Ute,
    du hast mit der Bohotechnik deine alte Jeans in ein tragbares Kunstwerk verwandelt, das Projekt in den Naturfarben sieht fein und interessant aus.
    Zur Sashiko - Sticktechnik meine Anmerkung:
    Ich habe mir spezielle Nadeln gekauft und bin enttäuscht. Sie verursachen eher ein größeres Loch als eine Stopfnadel!
    Und zum Fingerhut: als ich die japanische Nähtechnik erlernte, musste ich mir so einen Fingerhut nach traditioneller Art selbst basteln. Man umwickelt eine Münze mit einem Stückchen Stoff und bindet sich das dann um den rechten Mittelfinger. Die Nähnadel soll mit dem rechten Daumen und Mittelfinger gehalten werden, der Zeigefinger bleibt unbeteiligt.
    Wie du schreibst - wenn man den Dreh heraus hat, geht das Nähen schnell und die Nähte werden absolut gerade.
    Dürfen wir das fertige Werk sehen?
    Liebe Grüße Tyche

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  6. Wieder etwas dazugelernt mit dem tollen "Fingerhut", wie das eine das andere befördert und weiterbringt. Bin gespannt wie es daran weitergeht, man kann das ja fast unendlich weitertreiben.
    viele Grüße, Karen

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  7. Eine Vielzahl interessanter Experimente, Die Boro-Mischtechnik Hand & Maschine gefällt mir besonders. Deine Maschinenergänzung ist so schön grafisch.
    Danke auch für das Tragefoto vom Fingerhut, ich kam bisher nicht mit meinem klar.
    Die letzte Vorstichelei finde ich auch spannend. Was man mit Vorstichen nicht alles so machen kann.
    LG Ute

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  8. Die Jeans ist ein echter Hingucker! Mal sehen, wie viele Leute in deinem Alltag die Boro-Technik erkennen werden. Dein Werk im Werden gefällt mir, ich bin gespannt, wie es sich weiter entwickelt. Liebe Grüße Christiane

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  9. Über deine Kunstflickerei an der Jeans musste ich ja lachen - mach weiter, dann hast du bald eine ganz neue Hose! Diese Maschinenstickerei habe ich früher auch immer bei abgetragenen Lieblingsjeans eingesetzt - immer die gleichen Stellen waren betroffen...
    Wo gibt es diese Fingerhüte? Zu gerne würde ich ja auch mal wieder solche Stickarbeiten machen wollen, doch die blöde Arthrose im Handgelenk macht's einfach zu schmerzhaft.
    Die helle Stoffcollage wird sehr schön!
    Liebe Grüße Ulrike

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  10. boro und shibori sind eine meiner lieblingstechniken. ich habe ein paar alte leinenstücke aus norddeutschland, die genauso geflickt wurden - ein echter schatz, auch nichtjapanisch! deine hose ist klasse - hier liegt schon länger eine herum, die ich mit flicken aus der letzten sommerpost bestückt, aber noch nicht genäht habe. ich brauche also dringend so eine lange nadel! da es ja nirgends mehr kurzwarenläden gibt, muss man die wohl übers netz bestellen, so ein quatsch!!
    danke für die inspiration, ich schicke liebe grüße ins hessische!
    mano

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  11. Oh - hast Du viel ausprobiert! Und die letzte Arbeit gefällt mir sehr - auch weil sie in "hell" gehalten ist. Solche hellen Stoffe habe ich in meinem Japan-Buch auch gesehen - echt spannend!.
    LG Ines

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